Der Turnvater Jahn

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Friedrich Ludwig Jahn (* 11. August 1778 in Lanz; † 15. Oktober 1852 in Freyburg (Unstrut))

Der Turnvater Jahn teilte die Menschheit in zwei Klassen: In athletische Turner und in verweichlichte Kuchenbäcker.

Dieser Turnplatz wurde von vielen verständigen Personen aus reiner Anteilnahme, von anderen aus bloßer Neugierde besucht. Die ersten Einrichtungen in der Hasenheide waren von großer Einfachheit. Ein Waldfleck einigen Morgen Landes, mit Kiefern bestanden, wurde von einem mäßig breiten Graben umzogen, der an einigen Stellen Übergänge hatte.

In der Mitte sah man Bretterhäuschen zur Aufbewahrung der wenigen notwendigen Geräte. Die Barren, Recke, Kletterbäume standen in angemessener Entfernung.

Auch eine Rennbahn war am östlichen Ende gegen die Rollberge hin abgesteckt.

Aller Verweichlichung ward von den Turnern der Krieg erklärt. Einfache Kost diente zur Stärkung des Körpers; alle alkoholischen Getränke sowie Kuchen und Süßigkeiten verfielen dem Verbot.

Als bemerkt wurde, dass einige Zuschauer sich in das Gras setzten und trotzdem Kuchen verspeisten, erhielt das ganze jenseits des Grabens befindliche Publikum den Spottnamen ,Kuchenbäcker‘. Für einen echten und rechten Turner zerfiel nun die ganze Menschheit in zwei Klassen: in Turner und in Kuchenbäcker.

(Aus Parthey: „Jugenderinnerungen“, um 1811)