Die Häufigkeit der Namen

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Die große Häufigkeit einiger Familiennamen liegt daran, dass das namengebende Gewerbe auch in kleineren Orten auf dem Land betrieben wurde, Beispiele sind Müller, Schmidt, Schneider, Fischer, Meyer, Weber, Wagner, Schulz, Hoffmann, Schäfer, Koch, Bauer, Richter. Deshalb sind auch Familiennamen aus dem Handwerk der Bäcker sehr häufig.

Brandgefahr

Wegen der Brandgefahr durften die Bürger keine Hausbacköfen besitzen, sodass es viele Bäcker gab. [02]

Namen, die auf einen speziellen Handwerkszweig zurückgehen (etwa Leinweber, Flader, Kuchenbecker, Küchler), sind dagegen weniger häufig anzutreffen. So ist der Lebkuchner, Zelter urkundlich im Reichssteuerregister von 1497 ein Kleinstadtberuf. Ganz allgemein war die Arbeitsteilung und Spezialisierung innerhalb der einzelnen Gewerbe in den großen mittelalterlichen Städten ausgeprägter als in den kleinen.

Mittelalterliche Bäckerei

In Deutschland findet man im frühen Mittelalter, erstmals den beruflichen Bäcker an Fronhöfen oder in Klöstern. Im 10. Jhdt. bildete sich erstmals die Zunft, wo auf staatseigenen Backöfen, welche er mit anderen Berufskollegen teilen musste, gebacken wurde.
Bäckerei-Geschichte

Im frühen Mittelalter war die weitere Entwicklung der Backkunst in erster Linie den Klöstern zu verdanken. In dieser Epoche waren Bäckereien und Brauereien häufig verbunden, da diese beiden Gewerbezweige sich der Technik der Gärung bedienten.
Lieber-Lexikon

Spezialisierung

Die Entwicklung der Städte und mit ihnen des Handwerkerstandes brachte … eine gewaltige Ausfaltung von Berufsbezeichnungen mit sich, im Westen etwa seit dem 13. Jh., im (Nord-) Osten etwas später. Die Arbeitsteilung wurde durch die Zünfte bis ins kleinste geregelt, sodass ein Handwerker oft nur jeweils einen Gegenstand herstellen durfte. [02]

In der Menge der aus den Handwerken abgeleiteten Familiennamen kommt das Bedürfnis zur Unterscheidung der Personen zum Ausdruck, wie auch die große Verbreitung des Bäckerhandwerks mit unterschiedlichen Bezeichnungen in der gesprochenen oder der geschriebenen Sprache, die starke Entfaltung des Handwerks im Mittelalter und die Vielfalt der amtlichen Tätigkeiten (die Differenzierung nach Produkten). So wurden im Mittelalter verschiedene Benennungen nebeneinander benutzt, z.B. waren in Arnsburg neben dem Beck und dem Becker auch der Kuchenbecker, Zuckerbecker, Weißbecker und der Symelere bekannt.

Ähnliche Parallelitäten für die „Feinbäcker“ gibt es auch in anderen Orten (Stand: 1999):

Berlin:
Kuchenbecker, Kuchenbäcker, Kuchler, Küchle, Küchler, Kiechle, Pistor, Pistorius, Pfister, Pfisterer, Flader, Fladerer, Hipp, Hippler, Mutschler, Zelter, Zeltner
Dortmund:
Kuchenbecker, Kuchler, Küchler, Pistor, Pfister, Pfisterer, Pfistner, Flader, Hippler, Mutschler
Hamburg:
Kuchenbecker, Kuchenbeker, Kuchenbäcker, Kuchenbaecker, Kuchler, Küchle, Küchler, Pistor, Pistorius, Pfister, Pfisterer, Flader, Hipp, Hippel, Mutschler, Peck, Weckler, Zelter
München:
Kuchenbecker, Kuchler, Küchle, Küchler, Pistor, Pistorius, Pfister, Pfisterer, Pfistner, Fladerer, Fladner, Hipp, Hippel, Mutschler, Weckler, Zeltner

Zum Namen Bäcker und seinen dialektalen Versionen existieren heute (1999) in Deutschland ca. 142.000 Telefonanschlüsse, die wichtigsten sind nachstehend tabellarisch zusammengefasst, von den Familiennamen sind ca. 23.000 (16 %) aus speziellen Produkten oder aus Übernamen abgeleitet. Kuchenbecker in seinen vier Versionen hat an allen „Bäckern“ nur einen Anteil von 5 ‰. [01] [02] [09]

Die Menge der Namensträger im Ablauf der Zeit wird in einem Zahlenspiel untersucht. Die Berechnung ergibt erstaunliche 250 Kuchenbecker zum Zeitpunkt der Namensgebung um 1150 und ein Aussterben des Namens im deutschsprachigen Raum um 2350.