Namens-Herkunft

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Das Kapitel "Namens-Herkunft" fasst die bisherigen Ergebnisse zusammen und deckt nach Möglichkeit die Sippennester und Ursprungsregion(en) des Familiennamens auf.

Sippennester sind Gebiete mit über Jahrhunderte gewachsener Namensdichte. Vielfach sind solche Sippennester gleichbedeutend mit der Herkunftsregion des untersuchten Namens.

Herkunftsregionen der Kuchenbecker sind im deutschsprachigen Raum zu suchen, wie er zum Zeitraum der Entstehung der Familiennamen bestand. Der betreffende Zeitraum umfasst im Wesentlichen das 12. und 13. Jahrhundert. Eine Ausnahme bildet die Kuchenbecker-Sippe aus Liebengrün, die im 16. Jahrhundert begründet wurde und seitdem die hochdeutsche Schreibweise benutzte, teilweise mit der Variante 'Kuchenbäcker'.

Grundsätzliches

Bei der Suche nach der Ursprungsregion steht zunächst die gängige Methode der Bewertung von regionalen Namenshäufungen durch Auswertung des Telefonbuches im Vordergrund – die relative Namensdichte. In Verbindung dazu wird die Betrachtung der frühen Nennungen des Familiennamens gestellt und dessen Dichtewechsel. Begleitende dialektale Untersuchungen, die Siedlungsgeschichte und die Betrachtung der Migrationsmotive können helfen, einzelne Ahnenstämme zu identifizieren, eine These über die Entstehung von Sippennestern und die Ursprungsregionen zu stützen.

In der Regel vebietet es sich bei kleinen Mengen gleicher Familiennamen, bestimmte Sachverhalte zu verallgemeinern. In diesem Sinne stellt die relativ geringe Zahl der Kuchenbecker ein Risiko bei der Bewertung der gesammelten Fakten dar. Außerdem ist die nachgewiesene absolute Zahl der Kuchenbecker-Einträge im Telefonverzeichnis zu gering, um belastbare Ableitungen zu gestatten. Trotz der Zusammenfassung aller Schreibvarianten des Familiennamens ist das Ergebnis der Telefonbuchanalyse in Deutschland nicht aussagekräftig, denn »diese statistische Auswertung hat den großen Nachteil, dass Sie nur bei hinreichend großer Stichprobe funktioniert. Bei weniger als 100 Treffern können Sie das Ergebnis meist vergessen.« (Quelle: Geogen) Die Mengenschwelle von 100 Einträgen überwindet der Name Kuchenbecker in keiner Region Deutschlands. Auch die Einflüsse der Vertreibung aus den ehemals deutschen Ostgebieten, die insbesondere viele Kuchenbecker getroffen hat, können mit der Auswertung des deutschen Telefonbuches nicht ausreichend bewertet werden. Das heißt, im Falle des Namens Kuchenbecker kann diese erprobte und bei anderen Namen erfolgreiche Methode nur mit großer Vorsicht Anwendung finden. Die Deduktion - die Schlussfolgerung aus Verhaltensweisen der gesamten Bevölkerung - wird dagegen für die Kuchenbecker-Sippen als zulässig erachtet.

Für die Bestimmung eines Sippennestes oder der Herkunftsregion sind Deszedenten von Namensträgern unabdingbar, daher müssen wegen des fehlenden Nachweises von Nachkommen einige frühe Namensnennungen unter Vorbehalt gestellt werden, wie z.B. : Johannes Kokenbeckere, 1320, aus Braunschweig und Herwich Kokenbeckere, 1328, aus Nienburg (Saale), die in ca. 115 km Straßen-Entfernung, also drei Tage-Reisen voneinander entfernt, lebten. Allerdings ist der Familiename vom 16. bis 19. Jahrhundert in Braunschweig und Nienburg nicht mehr nachweisbar.

Versuch

Wenn man die ermittelten Fakten zugrunde legt, können hypothetisch folgende Regionen und Orte als Sippennester, als Nester unterschiedlicher Kuchenbecker-Sippen angenommen werden:

  • Saale-Orla-Kreis, Liebengrün
  • Nordhessen, Kassel
  • Westfalen, Essen
  • Hinterpommern, Bischofthum
  • Ostfriesland, Esens
  • Koschneiderei, Westpreußen (in Arbeit)

Saale-Orla-Kreis, Liebengrün

Im Saale-Orla-Kreis sind ausgehend vom späten 15. Jahrhundert bis die Gegenwart Kuchenbecker nachweisbar, siehe hierzu unter „Wissenswertes“ die Geschichte zu Althanß beim Teiche, genannt Kuchenbecker. Aufgrund der Forschung von Dr. Karl Kuchenbecker [16] ist Liebengrün als Ursprungsort einer Sippe Kuchenbecker nachgewiesen, deren Spross er selbst war.

In diesem Fall war Kuchenbecker ein Spottname, der in der hochdeutschen Schreibweise buchstabiert und ab dem Jahre 1557 in der Gemeindeliste von Liebengrün bezeugt ist.

Die aktuelle (2002), geringe Namensdichte im Saale-Orla-Kreis kann mit der späten Einführung des Familiennamens und vielleicht mit den Bevölkerungsverlusten während des Dreißigjährigen Krieges erklärt werden sowie mit der Migration wegen fehlender Einkunftsmöglichkeiten. Außerdem ist kein oder kaum Ansiedeln fremder Kuchenbecker festzustellen.

Allerdings kann Liebengrün nicht der Ursprungsort aller Kuchenbecker in hochdeutscher Schreibung gewesen sein, denn zu früheren Zeiten sind bereits in anderen Regionen Kuchenbecker dokumentiert: Niclus Kuchenbecker um 1449 bei Rotenhaus, Dietrich Kuchenbecker um 1510 in Kassel.

Nordhessen, Kassel

Um 1510 taucht in Kassel ein Bürgermeister mit Namen Dietrich Kuchenbecker (hochdeutsche Schreibweise) auf, dessen Deszedenten bis 1815 nachweisbar sind. Vielfälting sind die Verbindungen zwischen den Kuchenbeckers der Landgrafschaft Hessen-Kassel und denen aus dem Fürstentum Waldeck. Neben der Stadt Kassel werden beispielsweise Frankenberg, Wolfhagen, Zierenberg, Züschen und Wildungen genannt.

Die Region Nordhessen kann daher als Sippennest bezeichnet werden, Gestützt wird diese These von der Tatsache, daß diese Region zum niederdeutschen Sprachgebiet gehörte. Noch heute wird in Waldeck ein westniederdeutsch-westfälischer Dialekt gesprochen. Wegen der verwandtschaflichen Beziehungen der Kuchenbeckers dieser Region, ist es naheliegend, dass es auch sprachliche Gemeinsamkeiten gab und die in diesen Landkreisen ansässigen Kuchenbeckers sich vor 1500 niederdeutsch Kokenbecker schrieben, allerdings fehlt hierfür jeder Beleg. Mit dem Aufstieg in die Führungsschicht Hessens bzw. mit ihrer Erfassung in den hessischen Annalen werden die niederdeutschen Namensvettern die Schreibweise der Kanzleisprache bevorzugt haben.

Dave Green, USA, behauptet im „GenForum“ 2001: »The Kuchenbecker name originated near Kassel, Germany, [...] «. Leider führt Green für diese Behauptung keine Begründung an. Und wir vermuten heute, dass die hochdeutsche Schreibung erst mit Einführung der Kanzleisprache als Übersetzung des niederdeutschen Kokenbecker üblich wurde.

In der Tat ist der hochdeutsch geschriebene Name Kuchenbecker vor 1700 überwiegend südlich der Benrather Linie feststellbar, denn die Benrather Linie wird gemeinhin als Grenze zwischen den niederdeutschen und den hochdeutschen Sprachgebieten angenommen und südlich von ihr wurde seit ungefähr 1500 hochdeutsch geschrieben.

Westfalen,  Essen

Die Namensdichte im bevölkerungsreichen Ruhrgebiet ist relativ gering, die absoluten Zahlen (Kuchenbecker / Kuchenbäcker) mit dem Stand vom 31.12.2002 und die frühen Nachweise der Kokenbecker in Essen weisen möglicherweise dennoch auf ein Sippennest hin. Ko(c)kenbecker waren um 1550 Bürgermeister und Richter in Werden (heute ein Stadtteil von Essen). Diese Belege lassen eine wesentlich frühere Entstehung des Familiennamens vermuten.

Die Entwicklung des Feingebäcks geht auf Klöster zurück,  die erworbenen Kenntnisse gaben sie an die umgebende Bevölkerung weiter. Diese Gepflogenheit könnte auf das Benediktinerkloster Werden verweisen , das bereits 799 gegründet wurde.

Hinterpommern, Bischofthum

Bischofthum scheint das Zentrum der Namens-Verbreitung in Hinterpommern zu sein. Die Gründung des Ortes und die Ansiedlung mehrerer Familien Kuchenbecker (Kokenbecker) wird zwischen 1342 und 1350 vermutet. Die Kuchenbecker stellten lange Zeit mehr als die Hälfte der Dorfbevölkerung. Sie orientierten sich - als die strikte Schollenbindung gelockert wurde - im späten 18. Jh. nach Osten (Kreis Schlochau) und ab Mitte des 19. Jh. auch nach Süden und Westen (Kreis Neustettin).  

Eine interessante Theorie zum Familiennamen Kuchenbecker äußert  Dr. Bodo Koglin in seinem Beitrag www.hoelkewiese.de/Familienforschung/Namen%20Bublitz.htm :

Dieser Name bedarf eigentlich keiner Erklärung. Auffallend ist aber schon, daß er ausgerechnet aus einem Ort namens Bischofthum kommt. Gab es da vielleicht eine Burg, deren Herr sich einen Kuchenbäcker leistete?

Nicht Bischofthum besaß eine Burg (= Schloss), sondern das benachbarte Dorf Casimirshof. In frühen Zeiten waren die Bischofthumer Bauern zu Burg- und Baudiensten verpflichtet. Eine dieser Dienstpflichten könnte die Belieferung der Schlossbewohner mit Kuchen gewesen sein.

Ostfriesland, Esens

Kuchenbacker war die niederdeutsche Schreibweise des Namens in Ostfriesland. Erst spät setzte sich die hochdeutsche Schreibung durch. Mit der Einführung des Hochdeutschen scheint die Namensdichte in Ostfriesland abgenommen zu haben.