Niederdeutsch

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Niederdeutsch wurde nördlich der Benrather Linie gesprochen. Die Linie, welche das ober- vom niederdeutschen Sprachgebiet trennt und zurzeit nördlich an Aachen, Düsseldorf, Siegen vorbei, dann an Kassel vorbei und weiterhin ungefähr über Göttingen, Aschersleben, Wittenberg, Lübben ins Posensche hinein läuft, bewegt sich noch immer nordwärts. Um das Jahr 800 waren Hessen und Thüringen wahrscheinlich noch überwiegend niederdeutsch und Teile des nördlichen Thüringens und südlichen Niedersachsens waren es noch um 1300. In Nordhessen, z.B. in Waldeck und Bad Wildungen wurde gleichfalls Niederdeutsch gesprochen. [14] [15]


Benrather Linie (rot)


Niederdeutsche Varianten des Berufsnamens Kuchenbäcker sind Ko(c)kenbecker und Kauckenbecker oder Kuchenbacker. Für die Erkundung der Herkunftsregion müssen die Grenzen des frühen niederdeutschen Sprachgebietes bestimmt werden. Zu diesem Zweck können dialektale Untersuchungen angestellt werden, Karten mit der Darstellung der Mundartregionen sowie Karten alter Herrschaftsgebiete herangezogen werden.


Norddeutsche Mundarten


Kokenbecker entstammt der westfälischen Mundart, der Kuchen heißt hier Koken. Die mundartliche Bezeichnung für Kuchen im ostfälischen und ostfriesischen Sprachraum ist Kauken. Während es für Kokenbecker Belege gibt, wurde Kaukenbecker westlich der Oder bisher nicht nachgewiesen. Wenn man die Bezeichnungen für den Kuchen als Beleg nimmt, dann wird in Schleswig-Holstein ein Kolonialdialekt des Westfälischen und in Mecklenburg-Vorpommern ein solcher des Ostfälischen gesprochen, während in Pommern überwiegend eine Mischform der niederdeutschen Mundarten gesprochen wurde. Im ostfriesischen Dialekt ist der Kuchenbacker beheimatet.

Beispiele für in Ostfalen ansässige Kuchenbecker sind:

  • Johannes Kokenbeckere, 1320 urkundlich in Braunschweig erwähnt [05]
  • Herwich Kokenbeckere, 1328 in Nienburg (Saale) ansässig [05]

Beispiele für westfälische Kuchenbecker sind:

  • der Bürgermeister zu Werden (heute ein Stadtteil von Essen), der 1549 in drei Dokumenten in niederdeutscher Schreibweise genannt wird:
    Johann Kockenbecker, Johan Kokenbecker, Johan Koeckenbecker.
  • Alexander Kockenbecker, der 1586 Richter zu Werden war (Landesarchiv NRW)

Beispiele für Namensträger im Kolonialdialekt von Schleswig-Holstein sind

  • der Handwerker Ancken Kockenbecker, 1569 in Oldenswörden, Dithmarschen-Mitteldrittel ansässig
  • Christoffe Kokenbecher, 1635 Einwohner in Reinbek (AGGSH e.V.)

Kuchenbecker

»1320 niederdeutsch 'Kokenbeckere‘, Berufsname zu mittelhochdeutsch 'kuoche' 'Kuchen' und 'becker' 'Bäcker'« [05]


Quelle der Karte: Microsoft Corporation

Deutsche Mundarten; Mundartgrenzen – kauken koken küken = Kuchen-, blaue Linien [12]


Beispiele für die niederdeutsche Schreibweise des Namens Kuchenbecker in Pommern geben die Grund- und Hypothekenakten mit Belegen in handschriftlicher Kurrentschrift aus der Mitte des 17. Jahrhunderts sowie die Dokumente der Hufenklassifikation, die zwischen dem 5. und 14. Juli 1719 in den Dörfern bei Bublitz durchgeführt wurde.  Bei der Hufenklassifikation legten die Schreiber handschriftliche Hufenlisten und Viehbestandstabellen an. In den Listen für Bischofthum führen von den 16 registrierten Bauern 8 den Namen Kokenbecker oder Kockenbecker mit der variierten Schreibweise Kochenbecker oder Kauckenbecker. In Drensch lebten 11 Bauern, von denen 6 den Namen Kockenbecker trugen, variiert zu Kouckenbecker. Ebenso wurden 1719 in Sassenburg und Porst Kockenbecker festgestellt.

Die Namen buchstabieren auch deshalb unterschiedlich, weil die häufig analphabetischen Bauern nicht nach der Schreibweise befragt werden konnten. Nicht selten kann der eine oder andere Buchstabe in den handschriftlichen Dokumenten nicht entziffert werden, Fehlinterpretationen sind daher nicht auszuschließen.

In den Grundakten von Bischofthum wurde der Name zunächst einheitlich Kockenbecker und später Kuchenbecker geschrieben.