Die Ausbreitung des Familiennamens Kuchenbecker

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Namen breiten sich aus infolge der Übernahme der Bezeichnung bei gleichwertigen Tätigkeiten, mit der Verbreitung  eines Berufes oder mit den Namensträgern. Berufsbezeichnungen werden aus Gründen der Verstehbarkeit übernommen, um dialektale Ausdrücke zu überwinden. Berufe breiten sich aus, um die wachsende Nachfrage nach bestimmten Produkten befriedigen zu können. Als Gründe für die Migration von Namensträgern kommen die Bevölkerungsvermehrung, wirtschaftliche und soziale Nöte, unbefriedigende politische Verhältnisse, Reiseerleichterungen und technische Verkehrsverbesserungen sowie eine größere Abzugsfreiheit in Betracht.

Dieses Kapitel ist ein Versuch, über die Anlässe und Möglichkeiten der geografischen Ausbreitung des Familiennamens Kuchenbecker eine weitere Grundlage für die Feststellung seiner Ursprungsregion zu legen.

Die Ausbreitung von Namen ist nicht unbedingt mit der Migration von Personen verbunden. Insbesondere Berufsnamen sind an mehreren Orten gleichzeitig entstanden. Im Gegensatz zu regional sehr unterschiedlichen dialektalen Ausdrücken südlich der Benrather-Linie, wurde die Berufsbezeichnung  Kuchenbecker  überregional verstanden, wie im niederdeutschen Sprachgebiet Kokenbecker oder Kaukenbecker. In Schriftstücken wurde für die Berufsbezeichnung vermutlich eine überregional gültige Bezeichnung gewählt. Damit wird unterstellt, dass der Familienname  Kuchenbecker hauptsächlich durch die Einführung des Hochdeutschen als Kanzleisprache Verbreitung fand, während die Ausbreitung von Kokenbecker an die ausgeübte Tätigkeit und die Migration von Personen im Rahmen der Ostsiedlung gebunden ist.

Bei der Migration, der Abwanderung der Namensträger aus dem Heimatort, stehen neben ideellen Gründen (Anlässe) die materiellen Möglichkeiten (Reisegelegenheit, Angebote).

Einige der Motivatoren sind die Anwerbung, die Repression, die zunehmenden Reiseerleichterungen und die schrittweise Etablierung der - heute für selbstverständlich erachteten - Menschenrechte, insbesondere die freie Wahl des Berufs und des Wohnortes.

Inzwischen herrscht globale örtliche und berufliche Freizügigkeit und es verbietet sich, einen verallgemeinernden Migrationsgrund zu nennen, denn die Migrationsmotive sind vielschichtig: religiöse, politische, wirtschaftlich-soziale und individuell-psychologische Gründe können einzeln oder kombiniert zutreffen.

Migrationsgründe

Bevölkerungsvermehrung, wirtschaftliche und soziale Nöte, unbefriedigende politische Verhältnisse einerseits, Reiseerleichterungen und technische Verkehrsverbesserungen sowie größere Abzugsfreiheit andererseits steigerten die räumliche Mobilität der Deutschen .... Wanderungsbewegungen,  wellenförmig ansteigend und wieder abschwellend, waren die Folge. [03]

 Die Einheirat als Hofnachfolger in einem benachbarten Dorf ist mehrfach als Wanderungsgrund das Familiennamens nachweisbar.

Neun von zehn Menschen heiraten jemanden, der nur bis zu 30 Kilometer von ihrem Geburtsort entfernt geboren wurde.

[Neon: „Unnützes Wissen“; © Heyne]