Materielle Möglichkeiten der Migration

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Im Mittelalter spielten die Handels- und Postrouten bei der Verbreitung des Familiennamens oder der Übermittlung von Berufsbezeichnungen eine große Rolle. Aber auch die Migration von Namensträgern wird überwiegend auf den mit Gespannen befahrbaren Wegen erfolgt sein. Als überregionale Beispiele für wichtige Migrationsbahnen, insbesondere bei der Ostsiedlung, mögen die Handels- und Heerstraßen wie z.B. der Hellweg oder die Wasserwege, z.B. die Handelsrouten der Hanse entlang der Flüsse und der Ostseeküste gelten. Bei einem Umzug innerhalb kurzer Entfernungen werden Nebenstraßen genutzt worden sein. Im Rahmen von Anwerbungen von Siedlern dürften Wagentrecks gebildet worden sein, die wohl von einem Geleitreiter bevorzugt über Haupststraßen geführt wurden.

Historische Straßen

Nach Georg Landau unterschied man die Straßen im Mittelalter in Öffentliche Straßen und Heerstraßen, Land- und Markwege, Kirchwege oder Notpfade.

Die Öffentlichen Straßen bzw. Heerstraßen trugen verschiedene Bezeichnungen wie Königsstraßen, Reichstraßen, Heerwege, Helwege, Volksstraßen, Landstraßen, Hohe Straßen, Bergstraßen, Rennwege, Rennstiege, Weinstraßen. Sie waren die eigentlichen Hauptstraßen ...
Jeder, der auf diesen Straßen reiste, stand unter dem Land- oder Königsfrieden und der Besitzer der Straße war verpflichtet für dessen Sicherheit zu sorgen.

Historische Straßen


Quelle der Karte „wikipedia“: [Hausmachtgebiete]

Alte Hauptstraßen

    - vermuteter Verlauf von Hellweg/Heerstraße

    - Reichs- bzw. Bundesstraße 1


Technische Verkehrsverbesserungen und Finanzierungsangebote förderten die Migration zusätzlich. Der Bau von Eisenbahnen und der Ausbau der Straßen erleichterte die Binnenmigration, den Umzug innerhalb des Landes.

Die Emigration wurde ebenfalls einfacher, die Reise zu den Häfen mit der Eisenbahn und die anschließende Auswanderung per Schiff, konnte wegen der Zunahme der Seetauglichkeit der Schiffe, ihrer Größe und Geschwindigkeit immer häufiger gewagt werden. Für die Schifffahrtsgesellschaften war die Auswanderung oft ein lukratives Geschäft. Staatliche Vorschriften und Bestimmungen schützten die Passagiere vor zu großer Willkür, indem für jeden Passagier ein Mindestmaß an Platz, ausreichend Lebensmittel und Wasser, angemessene sanitäre Einrichtungen und fachkundige medizinische Versorgung gewährleistet sein mussten. Auch für die Finanzierung der Auswanderung gab es Angebote. Bis zum Jahrzehnt 1820 konnten Überfahrtkosten durch nachträgliche Dienstverpflichtungen abgeleistet werden, das System wurde als “Indentured Servitude“ oder auch “Redemptioner-System“ bezeichnet. Als danach die Reisekosten vorab beglichen werden mussten, halfen bei Bedarf Verwandte und Freunde, das Reisegeld zusammenzubekommen; z.B. indem bereits in Amerika lebende Familienmitglieder Passagebilletts (sogenannte “Prepaids“) erwarben. [03]

Auswanderungshilfe

... und in der Zeit großer Not gab es auch Auswanderungen auf Kosten der Gemeinden, die sich ihrer Armen entledigten, weil sie dann keine Armenunterstützung mehr zu zahlen brauchten. [03]