Althanß beim Teiche, genannt Kuchenbecker

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Ein Sippennest der Kuchenbecker ist offensichtlich der Ort Liebengrün, ursprünglich zu Sachsen, heute zu Thüringen gehörend. Und der erste dort ansässige Kuchenbecker war der Dorfschulze Althanß beim Teiche, der mit diesem Namen verspottet wurde.

Dazu schreibt Dr. phil.nat. Karl Kuchenbecker in „villa liebengrün. Die Spur der Königsfreien von der Saale zur Memel“:

... In einem Bericht zum Landestag „um Lichtmeß“ 1525 auf der Burg zu Meißen unter Kurfürst Friedrich III. von Sachsen, der bis zu seinem Tode am 5. Mai 1525, gemeinsam mit seinem Bruder Johann dem Beständigen, regierte, heißt es: „Es kamen auch zu Meißen auf die Burg, Schulz und Schöffen, der Rat von Liebengrün, die Bauern, in denen bäuerischen Gewande von Wollen, mit Stiefel ohn‘ Schallen von Silber und denen altvätern Gewaffen, dem Sachs; so daß manch edler Herr die Nase rümpfete. Sie brachten ohne Pflicht dem Kurfürsten ein groß‘, schwarz‘ Kornbrot, groß wie ein fränkischer Kuchen. Der Kurfürst verstund gar wohl was sie damit meinten. Er ließ das Brot auf die Tafel stellen und bot denen Platz an seinem Tische. Die Herren aber trieben darum vielen Spott, ob der geringen Gabe und der gnädigen Huld des Kurfürsten!“

Das Bauernbrot auf der Tafel „groß wie ein fränkischer Kuchen“ war eine unmißverständliche Demonstration zu Gunsten des Bauernstandes, ein Hinweis auf seine Not und seine Bedeutung. Es war aber auch ein gezielter Tritt des Schulzen Althanß vor die adeligen Schienbeine. Da die „Herren“ offensichtlich keinerlei Argumente entgegen zu setzen hatten, denn sie hatten alle mehr oder weniger „Dreck am Stecken“, reagierten sie mit Hohn und Spott – und nannten ihn abfällig den „Kuchenbecker“. Diese Reaktion zeigt deutlich, daß sie sich ihrer, gegenüber der Bauernschaft, begangenen Fehler bewußt waren, und gerade das hatte der Amtsschultheiß Althanß beim Teich mit dieser diplomatischen Geste bewirken wollen. Ein Zeichen setzen! So hat er ohne Streit die Gegner überspielt. Doch der Zuruf wurde zur Akklamation, zum Beifall für den Schulzen. Im weiten Umkreis wurde sein Eintreten für die Bauernschaft als ehrenhafte Tat empfunden. Man sprach hinfort vom „Kuchenbecker“, wenn man den Schulzen von Liebengrün meinte.